von Margret Markert, Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg

Einzelhändler.... hier bekam man alles, was man brauchte Wilhelmsburg 1875: eine kleine Inselgemeinde hinter den Deichen. 4.303 Menschen, Milch- und Gemüsebauern, lebten als Selbstversorger vom eigenen Acker auf Wilhelmsburg. 30 Jahre später waren schon 22.359 Einwohner mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Begonnen hatten das Handelsgeschäft die Frauen der alteingesessenen Bauern und Fischer: Sie versorgten die Hafen- und Fabrikarbeiter mit belegten Broten und Bier. Und manchmal wurde ein richtiger Bierverlag oder ein Lebensmittelgeschäft daraus.

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Vogelhüttendeich/Ecke Georg-Wilhelm-Straße

1925 - Wilhelmsburg hatte 32.504 Einwohner - gab es in fast jedem Mietshaus im Reiherstiegviertel zwei Geschäfte, eins im Erdgeschoß rechts, eins im Erdgeschoß links. Hier konnte man alles kaufen, vom Arzneimittel über Kolonialwaren bis zum Zampelbüdel (Hafenarbeiter-Rucksack). Und wer am Monatsende blank war - das kam in vielen Familien häufig vor - der ließ eben anschreiben.
Fast jeder Lebensmittelhändler besaß ein Schreibheft, in dem die Schulden der Kundschaft notiert wurden.
Wohnen im Reiherstiegviertel. Vom Druckereibesitzer zum Schauermann war alles vertreten...
Das Reiherstiegviertel wurde für die kleinen, aber auch für die besseren Leute gebaut. Zum Reiherstiegdeich hin ließen sich die "Etwas besseren" Leute nieder: Ein Druckereibesitzer, Lehrer, Polizisten, Zollinspektoren, Verwaltungsbeamte. Zur Chaussee hin nach Osten wohnten die Hafen- und Facharbeiter in Genossenschafts- oder Werkswohnungen. Für die kleine Schicht des gehobenen Bürgertums, Pastoren, Ärzte, Werksdirektoren, wurde um die evangelische Kirche herum das "Veringsche Villenviertel" gebaut. Das Gros der Bewohnerschaft im Reiherstieg bestand aus Facharbeitern.
1925 verzeichnet das Wilhelmsburger Adreßbuch, daß von 572 berufstätigen Fährstraßenbewohnern 274 Menschen in Hafenberufen gearbeitet haben - überwiegend in Tätigkeiten, die es heute nicht mehr gibt. Eine ehemalige Bewohnerin schildert, wie damals die Verteilung von arm und reich, von niedrig und gehoben in den Straßen des Reiherstiegviertels ausgesehen hat: "Man muß das schon für damals sagen - und da soll man sich keine Illusionen machen - daß wir hier alle keine Einheit bildeten. Das waren zwei Welten. Einmal die Kirchenallee (heute Mannesallee), da wohnten die sogenannten besseren Leute. Schöne große Altbauwohnungen.... Kirchenallee, das war die bürgerliche Gegend. Da wohnten Pastor Tribian, Doktor Souchier und Leipelt, der Betriebsführer der Zinnwerke. Dann kam die Fährstraße, Veringstraße, da wohnten so die Arbeiter, die regelmäßig in Lohn und Brot standen. Und die Gegend nördlich des Vogelhüttendeichs, die nannten wir damals "Klein- Warschau". Da wohnten die polnischen Einwanderer in großer Zahl. Und das waren die Allerärmsten. Das wollen wir ganz ehrlich sagen. Die Leute aus unserem Block haben auf die noch herabgeschaut."

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