von Reinhard Bosse

"Kundt und zuwißen sey hiermit, daß heute unten gesetzten Dato ein beständiger und unwiderrufflicher und ewiger Kauff-Contract und Vertrag verhandelt und geschloßen, zwischen dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Georg Wilhelm Herzogen zu Braunschweig und Lüneburg p. an einem, und denen sambtlichen Gebrüdern und Veteren den Grothen... am anderen Teil". So beginnt die endgültige Bestätigung eines Kaufvertrags durch Kaiser Leopold V. in Wien am 4. Dezember 1672, der bereits am 4. September des Jahres geschlossen worden war.
geschichte3-2Große Teile des heutigen Wilhelmsburg, nämlich Stillhorn, die Bauwiese, Rotehaus, Georgswerder und das Hövelgebiet waren damit von den Groten an den in Celle residierenden Herzog Georg Wilhelm übergegangen. Im Original-Vertragstext heißt es dazu: "Es verkaufen, übergeben und treten gegenwärtig ab... das utile dominium (herrschaftliche Nutzung) des Stillhorn, sambt daran und beygelegener Bauwiesen und Rothen Hause, wie auch das Görrieswerder, zusambt den zwischen dem Stillhorn, Rothen Hause und Görrieswerder liegenden Werder, die Hövele genandt, mit aller solcher Güter Rechten und Gerechtigkeiten, es sei an Häusern, Gebäuden, Höfen, Wiesen, Feldern, Wäszern, Ober- und Untergerichten über alle solche Güter und darin wohnende Leüte, imgleichen die Jagten und Fischereyen, die Adeliche Wohnhäuser im Stillhorn und Görrieswerder, mit allem, was darin und daran erd- und nagelvest ist, auch denen daran gelegenen Garten, die Brau- und andere Gerechtigkeit, das jus Patronatus über die Kirche und das Pfarrlehen im Stillhorn, und in Summa alles, was die Grothen an bemelten Gütern bis daher in Besitz gehabt..."
Herzog Georg Wilhelm vereinigt die neu erworbenen Gebiete mit seinen alten Besitzungen im Westen, nämlich Reiherstieg und das Vorwerk Schluisgrove und bestimmte, dass "solche zusammengebrachten Stücke und Güter nun und ins künftige die Herrschaft Wilhelmsburg titulieret und genannt werden sollte". Seit diesem Verwaltungsakt trägt Wilhelmsburg seinen Namen.
Die Bewohner des neuen Zusammenschlusses hatten, wenn auch nicht auf Dauer, etliche neue Vorteile. Ihnen wurde "bewilliget und zu gesaget, daß alle solche obbenannte und unter der Herrschaft Wilhelmsburg begriffenen Stücke, und darinn geseßene Untertanen von allen Landes Umlagen und beschwerden, die haben Namen wie sie wollen, insonderheit dem Schatz Accise, Imposten (Warensteuer), Contributionen (Kriegssteuer) und Einquatierungen, nun und zu Ewigentagen, soll frey sein und bleiben". Davon war nur die "Reichts- und Creyß-Steuer" ausgenommen.
Die Groten mußten nach Vertragsabschluß den "Adelichen Sitz Stillhorn", ihre Burg in Kirchdorf, die wir von Merians Kupferstich her kennen, verlassen. Sie erhielten im Tausch die herzogliche Domäne Kirchhof, die fortan Neuhof hieß sowie 163770 Taler. Im Vertragstext von 1672 lautet dies wie folgt: "Vor solche resignation und Ueberlaszung tuhn Se.Fürstl: Durchl: folgende Erstattung: Überlaszen erstlich dem ThumbProbst (=Domprobst Otto Grote) und verleihen hinwieder dem gantzen Geschlecht der Groten zu einem gesambten Mannlehen das Guht, bishero der Kirchhof genanndt, ins künfftig der neue Hof zunennen, mit allen deszen Rechten, Gerechtigkeiten und Freyheiten von allen Landbürden,... dazu auch die hohe und Niedergerichte,... die Jagd, das Vogelschieszen und Fischerey."
Hintergrund dieses für Wilhelmsburg so wichtigen Kaufvertrags war das Bemühen Herzog Georg Wilhelms, seine Ehefrau Eleonore d´Olbreuse finanziell abzusichern. Die Baronesse aus Poitou in Frankreich war einem Herzog nicht ebenbürtig und konnte nur "zur linken Hand" geheiratet werden. Nach dem Erwerb der Herrschaft Wilhelmsburg arbeitet Georg Wilhelm auf eine Rangerhöhung seiner Gemahlin und seiner 1666 geborenen Tochter Sophie Dorothea hin. 1674 erhob Kaiser Leopold, der auch schon den Kaufvertrag mit den Groten bestätigt hatte, Eleonore zur Gräfin von Harburg, Sophie Dorothea zur Gräfin von Wilhelmsburg.
Nach dem Tode Georg Wilhelms im Jahre 1705 fiel Wilhelmsburg an seinen Schwiegersohn Georg Ludwig und wurde hannoversches Amt. Das Grotenschloss, in dem der Amtmann seinen Sitz hatte, war baufällig geworden und wurde 1724 durch das bis heute erhaltene Amtshaus ersetzt. 1859 wurde das Amt Wilhelmsburg aufgehoben und mit Harburg vereint. Im Amtshaus befindet sich heute das "MUSEUM ELBINSEL WILHELMSBURG".
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